Wenig andere Möbel transportieren so viel Geschichte wie ein altes Küchenbuffet: massives Weichholz, Glasvitrinen, ein zweiteiliger Aufbau, der ganze Stuben dominierte. In diesem Ratgeber zeigen wir, woran Sie ein gutes Stück erkennen, was es wert ist — und wie wir bei Weingärtners Genusshandwerk dänische Landhaus-Weichholz-Buffets mit Kreidefarbe in neue Wohnzimmer holen.
Was ist überhaupt ein Küchenbuffet?
Das Küchenbuffet — manchmal auch „Buffetschrank", „Anrichte" oder veraltet „Küchenkredenz" — war über fast hundert Jahre das Herz vieler europäischer Küchen. Es ist ein zweiteiliges Möbel: ein massiver Unterbau mit Schubladen und Türen, darüber ein schmalerer Aufsatz mit Glasvitrinen, oft mit einer freien Arbeitsfläche dazwischen.
In ihm wurde das gute Geschirr ausgestellt, Vorräte gelagert, Brot abgekühlt und Mehl bereitgehalten. In Dänemark und Norddeutschland war es im Bauernhaus genauso selbstverständlich wie in der bürgerlichen Stadtküche — nur anders proportioniert, anders verziert, anders bemalt.
Heute findet das Küchenbuffet zurück in moderne Wohnungen: nicht mehr als Arbeitsmöbel, sondern als Statement-Stück im Esszimmer, Flur oder Wohnzimmer — eine seltene Kombination aus Stauraum, Geschichte und Charakter.
Eine kurze Geschichte des Küchenbuffets
Das Küchenbuffet hatte sein goldenes Zeitalter zwischen etwa 1880 und 1960. Davor wurde Geschirr in offenen Regalen oder einfachen Schränken aufbewahrt; danach übernahmen Einbauküchen die Funktion.
Ursprung im Bauernhaus
Die ältesten Buffets stammen aus dem späten 19. Jahrhundert — der Gründerzeit. Sie sind in dieser Zeit häufig aus massiver Eiche gefertigt, dunkel gebeizt, mit geschwungenen Profilen und gedrechselten Säulen am Aufsatz. In Norddeutschland und Dänemark nahm diese Form bald eine eigene Note an: schlichter, funktionaler, mit weniger Verzierung — und vor allem aus dem Holz, das vor Ort wuchs: Weichhölzer wie Kiefer und Tanne.
Dänische Schlichtheit aus Weichholz
Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich in Dänemark ein eigener Stil: klare Linien, ehrliche Materialien, keine überflüssige Zier. Die typischen dänischen Küchenbuffets aus den 1920er bis 1950er Jahren — die wir besonders schätzen und auch ausschließlich aufarbeiten — sind aus Weichholz, vor allem Kiefer und Tanne. Sie verbinden Bauernhaus-Robustheit mit skandinavischer Schlichtheit, waren oft mehrfach übermalt und passen erstaunlich gut in heutige Interieurs.
Verschwinden mit der Einbauküche
Mit der Verbreitung der Einbauküche ab den 1960er Jahren verloren die Buffets ihre Funktion. Viele wanderten auf den Dachboden, in die Scheune, wurden verschenkt oder verschrottet. Genau diese Stücke finden wir heute wieder — und holen sie zurück ins Wohnzimmer.
Die Anatomie eines klassischen Buffets
Trotz aller Stilunterschiede haben fast alle alten Küchenbuffets die gleiche Grundstruktur:
- Unterbau (Korpus): 80-110 cm hoch, meist mit zwei Türen unten und einer Reihe Schubladen darüber. Hier wurden Töpfe, Vorräte und größeres Geschirr verstaut.
- Arbeitsfläche: Eine freie Platte zwischen Korpus und Aufsatz, oft Massivholz, gelegentlich mit Marmor oder Zinkblech belegt.
- Aufsatz: 70-100 cm hoch, schmaler als der Korpus, mit ein bis drei Glasvitrinen für das gute Geschirr. Oft mit kleinen Fächern oder Schubladen für Bestecke.
- Beschläge: Häufig schlichte schmiedeeiserne oder messingfarbene Griffe und Knöpfe. Bei vielen alten Stücken sind die Originalbeschläge im Lauf der Jahrzehnte verloren gegangen oder nicht mehr funktional — wir tauschen sie meist gegen passende neue Beschläge.
Typische Maße eines klassischen dänischen Buffets: 110-130 cm breit, 200-220 cm hoch, 50-60 cm tief. Es gibt aber durchaus schmalere Varianten ab 90 cm und große Modelle bis 180 cm Breite.
Stilrichtungen, die Sie kennen sollten
Dänischer Landhausstil aus Weichholz (unser Schwerpunkt)
Schlichte Linien, helle Hölzer, vor allem Kiefer und Tanne. Charakteristisch sind die zurückhaltenden Beschläge, gerade Säulen statt gedrechselter, und die oft schon mehrfach übermalten Korpusse. Diese Weichholz-Stücke sind ideal für eine Restauration mit Kreidefarbe — sie nehmen die Farbe gut an und behalten ihren Charakter. Genau diese Buffets arbeiten wir auf.
Gründerzeit (1870-1914)
Massive Eiche, gedrechselte Säulen, geschnitzte Profile, oft dunkel gebeizt. Aufwendige Verzierungen, manchmal eingelegte Holzintarsien. Solche Stücke sind als Antiquitäten besonders wertvoll und werden selten gestrichen. Sie gehören nicht zu unserem Aufarbeitungs-Sortiment — wir konzentrieren uns auf dänisches Weichholz.
Jugendstil (1900-1914)
Fließende Linien, florale Schnitzereien, oft kombiniert mit Glas-Einsätzen mit floralem Muster. Sehr seltene Stücke, eher Liebhaberobjekte für Antik-Sammler.
20er- bis 50er-Jahre Dänemark
Klare Geometrie, einfacher Aufbau, fast immer aus Weichholz, oft schon in der Vorgängergeneration weiß oder pastellfarben gestrichen. Diese Buffets sind in der Regel mittelgroß und wirken in modernen Wohnungen besonders natürlich. Der Großteil unserer Stücke stammt aus dieser Zeit und Region.
Was macht ein gutes altes Buffet aus?
Drei Kriterien für ein wertbeständiges Buffet
- Massivholz statt Furnier: Bei guten Stücken sind Korpus und Aufsatz aus massivem Holz — bei dänischen Buffets fast immer Weichholz wie Kiefer oder Tanne. Furnierte Modelle aus den 1970er und 1980er Jahren sind weniger wertstabil und für eine Aufarbeitung mit Kreidefarbe nicht geeignet — wir arbeiten ausschließlich Massivholz auf.
- Glasvitrinen mit Originalglas: Altes Glas hat oft kleine Wellen oder Verzerrungen — das ist gewollt und ein Zeichen für ein authentisches Stück. Modernes klares Glas ist Ersatz, kein Mangel, aber weniger atmosphärisch.
- Konstruktion mit Holzverbindungen: Schwalbenschwanz-Verbindungen an Schubladen, gedübelte Eckverbindungen — das sind Zeichen für ein gutes altes Stück. Geschraubte oder geleimte Pressplatten gibt es bei echten Antiquitäten nicht.
Was sagt der Preis?
Bei uns liegen restaurierte dänische Küchenbuffets im Bereich von 890 bis 1.600 Euro — je nach Größe, Aufwand der Aufarbeitung und gewählter Farbe. Diese Spanne deckt das gesamte Spektrum unseres Sortiments ab, von kompakten Stücken um 110 cm Breite bis zu großen zweiteiligen Modellen.
Unrestaurierte Stücke vom Sperrmüll oder von privaten Verkäufern sind natürlich günstiger zu haben — aber Sie sollten Aufarbeitungskosten, Versand und gegebenenfalls Reparaturen mit einkalkulieren.
Diese Buffets haben schon 100 Jahre auf dem Buckel, bevor sie bei uns ankommen. Wenn wir sie sauber aufarbeiten, gibt es keinen Grund, warum sie nicht noch einmal 100 Jahre halten sollten.
Wie wir restaurieren
Bei Weingärtners Genusshandwerk holen wir den Großteil unserer Möbel direkt aus Dänemark — über eine kleine Lieferkette, die uns regelmäßig Stücke aus Haushaltsauflösungen und privaten Ankäufen bringt. Was bei uns ankommt, durchläuft mehrere Schritte:
1. Bestandsaufnahme
Wir prüfen jedes Stück: Stabilität der Eckverbindungen, Zustand der Schubladen und Glasvitrinen, Originalität der Beschläge. Stücke, die konstruktiv nicht mehr zu retten sind, lassen wir liegen.
2. Kleine Reparaturen
Risse werden mit Holzkitt verschlossen, fehlende Schiebeleisten ergänzt, lose Verbindungen neu verleimt. Schubladen werden gerichtet, damit sie wieder geräuschlos laufen. Beschläge, die verloren oder defekt sind, ersetzen wir durch passende neue Modelle.
3. Vorbereitung der Oberfläche
Bei alten Farbschichten und kräftiger Patina arbeiten wir mit dem Kraftschaber — ein Werkzeug mit Klinge und Griff, mit dem sich Schicht für Schicht abnehmen lässt, ohne das darunterliegende Holz zu verletzen. Was nach dem Schaben übrig bleibt, glätten wir mit Schleifschwämmen, größere Flächen mit der Schleifmaschine. Die Oberfläche wird gereinigt und entfettet, bevor sie bereit ist für die Farbe.
4. Streichen mit Kreidefarbe
Wir arbeiten mit hochwertigen Kreidefarben aus vier Manufakturen. Die meisten unserer aktuellen Aufarbeitungen entstehen mit Farben von Anna von Mangoldt oder Paint of Walinoon. Daneben verwenden wir auch CosyColours und LittlePomp von Miss Pompadour sowie Painting the Past. Alle bieten die Farbtiefe und Mattheit, die echtes altes Holz verlangt — anders als die meisten Dispersionslacke. Zwei bis drei Schichten, dazwischen jeweils eine sanfte Zwischenschliff-Behandlung.
5. Versiegelung mit Möbelwachs
Bei Küchenbuffets verwenden wir standardmäßig unser hauseigenes Möbelwachs — es schützt die Kreidefarbe, gibt der Oberfläche einen seidigen Glanz und betont die natürliche Anmutung des Möbels. Bei Bedarf und auf Kundenwunsch arbeiten wir gelegentlich auch mit Hartwachsöl oder einem matten transparenten Lack — bei Küchenbuffets war das in der Praxis bisher noch nicht nötig. Wachs hält bei normaler Esszimmer- oder Wohnzimmer-Nutzung problemlos über viele Jahre.
Eine Auswahl unserer aufgearbeiteten Buffets
Die folgenden Stücke haben wir in unserer Werkstatt restauriert. Manche sind verkauft, manche noch verfügbar — Sie sehen die Bandbreite an Farbtönen, mit denen ein altes Buffet sich neu erfinden lässt.
Häufige Fragen
Wie alt sind Ihre Küchenbuffets typischerweise?
Der Großteil unserer Buffets stammt aus den 1940er bis 1960er Jahren — die Blütezeit des dänischen Landhausstils. Gelegentlich haben wir ältere Stücke aus der Gründerzeit oder dem Jugendstil. Reine Massenware aus den 1980er Jahren oder später kaufen wir nicht an.
Wie groß sind die Buffets typischerweise?
Klassische dänische Küchenbuffets sind 110-130 cm breit und 200-220 cm hoch. Wir haben aber regelmäßig auch schmalere Modelle ab 90 cm Breite (für kleinere Wohnungen) und große Stücke bis 180 cm. Die Tiefe liegt fast immer bei 50-60 cm.
Liefern Sie deutschlandweit?
Ja. Bei Buffets nutzen wir eine Sperrgut-Spedition mit Aufstellservice am Bestimmungsort. Versandkosten liegen bei 59–89 €, bundesweit frei Bordsteinkante. Berlin und nähere Umgebung liefern wir auf Wunsch persönlich.
Kann ich mein Wunsch-Buffet in einer eigenen Farbe streichen lassen?
Sehr gerne. Wir arbeiten mit hochwertigen Kreidefarben — am häufigsten Anna von Mangoldt und Paint of Walinoon, daneben auch CosyColours, LittlePomp und Painting the Past. Sie wählen den Farbton, wir streichen das Stück fachgerecht und versiegeln es.
Kann ich das Buffet vor dem Kauf in echt sehen?
Sehr gerne. Unser Laden in Berlin-Friedrichshagen ist zu unseren Öffnungszeiten geöffnet. Vereinbaren Sie kurz vorher einen Termin, dann stellen wir das gewünschte Stück für Sie bereit. Bei Anfragen aus weiterer Entfernung schicken wir vorab ausführliche Bilder.
Was, wenn ich ein bestimmtes Buffet suche, das Sie gerade nicht im Shop haben?
Schreiben Sie uns über unsere Wunschmöbel-Anfrage, was Sie suchen — Maße, Stilwunsch, Farbidee. Wir prüfen unseren Lagerbestand und melden uns meist noch am selben Tag mit Bildern unbearbeiteter Möbel, die wir noch nicht im Shop haben.
Lohnt es sich, ein altes Buffet selbst zu restaurieren?
Mit Kreidefarbe und etwas Geduld: ja. Bei Weichholz-Buffets reicht oft schon eine sanfte Vorbereitung mit Schleifschwamm, anschließend tragen Sie die Kreidefarbe in zwei bis drei Schichten auf. Anspruchsvoller wird es, wenn dicke alte Farbschichten zu entfernen sind — dafür ist der Kraftschaber das richtige Werkzeug, will aber gelernt sein. Was Profi-Niveau braucht, sind statische Reparaturen und der Austausch von Glasscheiben oder Beschlägen.
Suchen Sie ein bestimmtes Küchenbuffet?
Beschreiben Sie uns Ihre Wünsche — Maße, Stil, Wunschfarbe. Wir prüfen unseren Bestand und melden uns meist noch am selben Tag mit Bildern aus unserem Lager. Auch unbearbeitete Stücke, die noch nicht im Shop sind.
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