Weingut Markus Molitor Bernkasteler Badstube Spätlese - grüne Kapsel 2022
Die Badstube bei Bernkastel zählt zu den bekanntesten Herkünften der Mosel, und eine Spätlese von dort ist so etwas wie die Visitenkarte des Gebiets. Markus Molitor füllt sie mit 9,5 Prozent Alkohol — eine Größenordnung, die anderswo nach Verzicht klingen würde und hier schlicht die Bauart des Weins ist.
Schiefer, so weit die Steillage reicht. Er gibt dem Riesling jene salzig-mineralische Grundierung, die man an der Mosel als Erkennungszeichen liest, und er erklärt auch, warum diese Weine so lange leben: Fünfzehn Jahre Reifepotenzial stehen für den 2022er im Raum. Neun Monate im Edelstahl, mehr passiert im Keller nicht; alles Wesentliche hat der Wein schon aus dem Weinberg mitgebracht.
Im Glas helles Gelb. Die Frucht ist verlockend und in sich ausgewogen, nichts drängt sich vor. Am Gaumen wird er salzig und pikant, dabei puristisch — kein Gramm zu viel. Was ihn ausmacht, ist die Spannung: eine verspielte, würzige Rasse, straff geführt und dabei von großem Charme. Der Nachhall bleibt animierend und mineralisch. Bei zehn Grad öffnet er sich am schönsten.
Am Tisch gelingt ihm der Spagat zwischen Europa und Asien. Ein Zanderfilet aus der Pfanne auf Blattsalat, angemacht mit Himbeeressig, ist die klassische Variante; die andere ist ein Hähnchencurry nach thailändischer Art mit Wokgemüse und Basmatireis, wo seine Würze und die Schärfe des Gerichts sich gegenseitig hochschaukeln.
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