Enate Merlot-Merlot DO 2022
Merlot gilt als die weichste der großen Rotweinsorten, und vielleicht wird sie gerade deshalb meist verschnitten. Enate lässt sie allein antreten — der doppelte Name auf dem Etikett sagt genau das. In Somontano, am Fuß der Pyrenäen und kühler als der spanische Süden, behält die Sorte ihre Frucht, ohne die Frische einzubüßen.
Ton und Sand bilden den Untergrund: der eine speichert Wasser und gibt Substanz, der andere hält den Boden durchlässig. Über 24 Stunden Maischestandzeit holen Farbe und Gerüst aus den Schalen, danach liegt der Wein 15 Monate im Barrique. Diese lange Fasszeit hört man — sie ist der Grund für die Kakao- und Röstebene, die den Wein von unten trägt.
In der Nase reife rote Frucht, Kirsche und Pflaume voran, daneben Nelke, Eukalyptus und ein balsamischer Zug; wer ihm Zeit lässt, findet auch getrocknete Aprikose. Am Gaumen ist er breit und fleischig gebaut, das Tannin fein und beinahe süß, die Säure hält dagegen. Trocken und lang läuft er aus, mit Leder und einer tintigen Note ganz zum Schluss. Die 15 % braucht ein Wein dieses Formats; bei 17 bis 20 Grad ist er richtig temperiert.
Am Tisch verlangt er Kräftiges: Wild und Lamm, Rind oder Schwein vom Rost, einen Braten in dunkler Sauce. Danach ein Käse, der etwas aushält.
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