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Ein zweites Standbein, das Risiken trägt
Der Betrieb züchtet Schnecken. Das klingt nach einer Kuriosität, ist aber der wirtschaftliche Kern der Sache: Die eigene Seite benennt die Schneckenzucht ausdrücklich als Puffer, der es erlaubt, im Weinbau Risiken einzugehen.
2021 war das nötig. Frost, Regen und Hagel vernichteten fast die gesamte Ernte; übrig blieben drei Fässer Mondeuse.
Ein Keller nach dem Goldenen Schnitt
Héritier hat ihn selbst gebaut, nach den Proportionen des Goldenen Schnitts. Ausgelöst hat das nach eigener Darstellung ein Studienbesuch im antiken Theater von Epidauros.
Vergoren wird ausschließlich mit den Hefen der eigenen Trauben, ausgebaut zehn bis vierundzwanzig Monate auf der Hefe in Barriques und eiförmigen Behältern. Schwefel nur bei Bedarf und begrenzt.
Zwanzig Kilometer zwischen Rebe und Keller
Die Reben stehen in Frangy, Desingy, Clarafond-Arcine und seit 2022 in Talloires über dem Lac d'Annecy. Der Keller liegt in Poisy — das sind rund zwanzig Kilometer.
Die Lagen liegen zwischen dreihundertsiebzig und vierhundertachtzig Metern, auf jurassischem Untergrund am Ende des Gebirgszugs, mit Böden aus alpinen Gletschermoränen.
Sorten abseits des Üblichen
Mondeuse noire und Altesse als Hauptsorten, dazu Molette und Gringet. Reaktiviert werden außerdem Douce Noire und Mondeuse blanche.
Die Molette-Parzelle misst fünfunddreißig Ar — eine der kleinsten, aus denen überhaupt ein eigener Wein entsteht.
Geflochten statt geschnitten
Seit 2022 ist der sanfte Rebschnitt Regelpraxis, und die Triebe werden geflochten statt gekappt. Dazu Pflanzentees und Kompostarbeit. Chemie der Synthese kommt nicht zum Einsatz.
Spät gelesen
Regelmäßig als einer der Letzten. 2025 verschob der Betrieb die Lese bis Anfang Oktober, während die Region vor dem Regen vorzog.
Zur Zertifizierung
Bio ist im Register belegt, mit Kontrollstelle und Datum. Demeter und Biodyvin dagegen nicht — der Betrieb steht in keiner der beiden Mitgliederlisten. Die eigene Seite formuliert das selbst vorsichtig als eine an der Biodynamik orientierte Arbeitsweise.
Nicht zu verwechseln
Der Betrieb heißt Domaine des Orchis; „Orchis“ allein ist nur die Kurzform. Im Languedoc gibt es ein anderes, ebenfalls ökologisch geführtes Weingut mit fast identischem Namen.
Angaben zu Parzellen, Böden, Sorten, Keller und Arbeitsweise nach der Website des Guts einschließlich ihrer Jahrgangschronik, ergänzt um das französische Unternehmensregister, das Register der Agence Bio, das Verzeichnis von Demeter Frankreich und die Mitgliederliste von Biodyvin. Zwei Hinweise für die Datenpflege: Der Betrieb liegt im Département Haute-Savoie, nicht Savoie — „Savoyen“ trifft nur als Weinregion zu. Und die Bio-Zertifizierung hängt nicht an der Gesellschaft, die Website und Rechnungen trägt, sondern am älteren Einzelunternehmen; unter der Gesellschaftsnummer findet man im Bio-Register nichts. Zur Rebfläche ergibt die Summe der auf der eigenen Seite genannten Parzellen gut sechs Hektar, während Händler durchgängig fünf nennen. Eine Produktionsmenge ist nicht belegt. Mehrere im Handel geführte Weinnamen sind überholt oder vermischt; welche aktuelle Cuvée hinter einer Flasche steht, gehört beim Lieferanten geklärt.





