Karthäuserhof

Mosel · Deutschland · 7 Weine

2012 stand der Karthäuserhof vor der Frage, die viele alte Güter irgendwann einholt. Christoph Tyrell führte ihn seit 1986 und hatte keine Kinder. Statt zu verkaufen, übergab er an seinen Cousin Albert P. Behler — den Sohn der Schwester seines Vaters.

Damit blieb das Gut in der Familie, in siebter Generation seit 1811.

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Weinflasche Karthäuserhof Brut, traditionelle Flaschengärung, Schaumwein von der Mosel
Weißwein
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Ausverkauft Weißwein

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Ein Geschenk von 1335

Kurfürst Balduin von Luxemburg schenkte dem Karthäuser-Orden eine Hofstelle mit Ländereien in Eitelsbach. Die Mönche gründeten daraufhin ein Weingut und bewirtschafteten es bis zur Säkularisierung — rund zehn von ihnen. Der Orden gab dem Hof seinen Namen.

1803 beschlagnahmten napoleonische Truppen das Gut. 1811 ersteigerte Valentin Leonardy, Generalintendant der französischen Armee, es vom französischen Staat. Seither ist es in Familienbesitz.

Vier Namen, eine Familie

Das ist die Eigenart dieser Erbfolge: Der Betreibername wechselte viermal, ohne dass die Familie wechselte. Leonardy, dann Rautenstrauch, dann Tyrell, dann Behler — weitergegeben jeweils über Töchter oder Seitenlinien, nie über einen klassischen Übergang vom Vater auf den gleichnamigen Sohn.

1896 übernahm sogar für einige Jahre eine Frau: Kathinka Rautenstrauch, weil ihr ältester Sohn seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hatte.

Warum die Flaschen türkis sind

Dieselbe Kathinka stammte aus dem Kölner Hause 4711. Sie brachte 1876 das für das Parfümhaus typische Türkisblau mit — bis heute die Hausfarbe des Weinguts und die Farbe des Etiketts.

Das Etikett sitzt am Hals

Nicht am Bauch der Flasche, sondern als Schleife um den Hals. Der Inhaber nennt das selbst das Markenzeichen des Guts.

Im Handel kursiert dazu die Behauptung, der Karthäuserhof sei das einzige Weingut, das sein Etikett so anbringen dürfe. Dafür ließ sich keine weinrechtliche Grundlage finden — die Aussage steht ausschließlich auf Händlerseiten.

Ein Berg, der niemandem sonst gehört

Der Eitelsbacher Karthäuserhofberg ist eine Monopollage: Das Weingut ist der alleinige Besitzer. An der Mosel ist das selten, und es erklärt, warum praktisch das gesamte Sortiment aus einer einzigen Lage stammt. Historisch war der Berg in fünf Einzellagen unterteilt — Burgberg, Kronenberg, Orthsberg, Sang und Stirn.

1868 klassifizierte die königlich-preußische Regierung die Lagen an Mosel, Saar und Ruwer und stufte den Karthäuserhofberg in die beste Klasse ein.

Ruwer, nicht Mosel

Eine Einordnung, die dem Gut wichtig ist. Formal liegt Eitelsbach im Anbaugebiet Mosel — die Ruwer ist ein Nebenfluss und innerhalb dieses Gebiets ein eigener Bereich. Das Gut selbst verortet sich aber durchgängig „im Ruwertal“; das Wort Mosel taucht auf seinen Seiten fast nur in der historischen Klassifizierungsformel von 1868 auf.

Die Böden sind Devonschiefer, blau und rotliegend, die Hänge stellenweise über fünfzig Prozent steil. Gepflanzt sind fast ausschließlich Riesling und etwas Weißburgunder.

Der erste Sekt nach 689 Jahren

2024 brachte das Gut zum ersten Mal einen Sekt heraus. Ausgelöst hat das eine Personalentscheidung: 2020 kam Mathieu Kauffmann als technischer Direktor, zuvor Kellermeister bei Champagne Bollinger.

Das Gut erzählt dazu eine längere Linie — ein Testament von 1858 soll den Wunsch enthalten haben, hier eines Tages Schaumwein zu erzeugen. Die ersten fünftausend Flaschen waren nach dem Start im November 2024 rasch vergriffen.

Wie gearbeitet wird

Nach eigener Darstellung: Kompost und teils selbst hergestellte biodynamische Präparate, Einsaat aus einer alten Getreideart mit Leguminosen und Blumen, mechanische Beikrautkontrolle und ausdrücklich keine Herbizide, Handlese mit Selektion, Lesezeitpunkt nach dem Mondkalender, ausschließlich die Hefen des Weinbergs.

Eine Bio- oder Biodynamik-Zertifizierung führt das Gut allerdings nicht; in keinem Verbandsregister ist es eingetragen. Belegt sind die Mitgliedschaft im VDP und eine Nachhaltigkeitszertifizierung.

Ein schweres Jahr

In der Nacht zum 21. April 2024 traf ein flächendeckender Strahlfrost das Ruwertal. Das Gut beschreibt einen Frostschaden in nie erlebtem Ausmaß; die Reben trieben erneut aus, der Ertrag blieb deutlich reduziert.

Nicht zu verwechseln

Im Koblenzer Stadtteil Karthause gab es einen eigenen historischen Karthäuserhof, der bis ins 20. Jahrhundert Weinbau betrieb und einen Wein namens „Karthäuserhofberger Riesling“ führte. Er wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den sechziger Jahren abgerissen — wegen des fast gleichen Lagennamens die naheliegendste Verwechslung.

Angaben zu Geschichte, Lagen, Arbeitsweise und Personen nach der Website des Guts (karthaeuserhof.com) einschließlich seiner Chronik, ergänzt um das Register des VDP und Fachpresse. Zur Rebfläche nennen die Quellen Werte zwischen sechsundzwanzig und gut achtundzwanzig Hektar; niedrigere Angaben im Handel beziehen sich nur auf die Monopollage. Die Selbstbeschreibung als eines der ältesten Weingüter der Welt beruht auf einer Rangliste, die nirgends benannt wird. Eine Jahresproduktion ist nicht belegt.